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Rauchen gefährdet die Gesundheit
30.06.2003 An alle Raucher und Nichtraucher
Viel zu selten wird der Satz "Rauchen gefährdet die Gesundheit!" wirklich ernst genommen. Bescheiden steht er unter Grossflächenplakaten die mit rassigen Frauen, Bildern von Freiheit und Abenteuer, Zusammengehörigkeit und zufriedener Sorglosigkeit für den Genuss einer Zigarette werben. "Rauchen gefährdet die Gesundheit!", ein Satz, der mittlerweile die gleiche Beachtung erhält wie das allgemein bekannte "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie...". Doch wie ernsthaft und Gesundheitsschädlich das Rauchen nun eigentlich wirklich ist, wird uns leider viel zu selten in der Öffentlichkeit vor Augen geführt. Pro Jahr sterben 140.000 Raucher vorzeitig an den Folgen ihrer Sucht und weitere 70.000 werden arbeitsunfähig.
"Rauchen verursacht Krebs!", dass weiss doch jeder. "Aber da ich sowieso irgendwann mal sterben muss, was soll's?" "Es gibt auch Raucher die uralt geworden sind!" und "Wie ich mich umbringe, ist doch wohl meine Sache, oder?" - Oder??? - Oder wirklich??? Wenn Sie sich mit einer Zigarette stärkere Gifte zuführen als beim schnüffeln an einem Autoauspuff, Giftstoffe, die in Konzentrationen weit über zulässige Höchstwerte für Schadstoffe in der Luft vorliegen, gefährlicher als Asbest, Dioxin oder Formaldehyd, die direkt über die Blutbahn in Ihren Körper gelangen und auf Dauer zu einem Leistungsabfall führen - ja, dann ist das Ihre Sache! Aber nicht nur sich selbst führen Sie diese Gifte zu, jeder in Ihrer Umgebung bekommt von Ihnen seinen Teil ab. Rauchen im Auto, Rauchen im Büro (selbst mit Klimaanlage) - Ihr Mitfahrer oder Ihr Kollege bekommt 30% Ihrer Gifte von Ihnen geschenkt! Und ein Nichtraucher kann schon beim Passivrauchen Vergiftungsanzeichen zeigen, die von einem langjährigen Raucher nicht mehr wahrgenommen werden. 1990 starben in Deutschland 400 Passivraucher allein an durch rauchen verursachten Lungenkrebs. Ein Passivraucher hat mit der Erhöhung seines Krebsrisikos um 50% zu rechnen. Raucherinnen erleiden zwei- bis dreifach häufiger eine Fehlgeburt.
"Ich rauche nur leichte Zigaretten", hilft Ihnen auch nicht als Ausrede - der Giftstoffgehalt ist in "leichten" Zigaretten genauso hoch (wenn nicht sogar Höher) wie in "normalen" Zigaretten. Nur durch Löcher im Filter wird der Rauch "leichter" Zigaretten durch Luft verdünnt - sofern diese Locher im Filter nicht durch Ihren Mund oder das Festhalten der Zigarette verschlossen werden.
Doch was passiert nun eigentlich beim Rauchen? Das Nikotin wird beim Glimmen einer Zigarette freigesetzt und verbindet sich mit dem Trägerstoff Teer. Durch das Inhalieren gelangen die Moleküle in das Blut und von dort durch die Blut-Hirn-Schranke (deren Aufgabe es normalerweise ist, Giftstoffe fern zu halten) in das Gehirn. Chemische Zusatzstoffe beschleunigen diesen Prozess, so dass das Nikotin schon nach 7 Sekunden das Gehirn erreicht. Im Gehirn selbst löst das Nikotin ein "Glücksgefühl" bzw. ein "Belohnungsgefühl" wie z.B. durch einen Kuss aus. Dieses "Zigarette-Belohnungs-Prinzip" wird im Unterbewusstsein gespeichert und ist der Grund für den Rückfall eines Ex-Rauchers auch Monate nachdem keine körperlichen Entzugserscheinungen mehr vorhanden sind. Übrigens liegt die tötliche Dosis Nicotin für den Menschen bei geringen 50 mg! Und eine Zigarette besteht nicht nur aus dem Suchtstoff Nikotin und dem krebserregenden Teer! Ein Haufen weiterer gefahrlicher krebserregender und körperschädigender Giftstoffe werden mit dem Rauch einer Zigarette in den Körper geführt, darunter auch radioaktive Stoffe (Polonium und Plutonium) die bei einem Konsum von ein bis zwei Schachteln pro Tag im Jahr die gleichen Strahlendosen erreichen wie bei 250 Röntgenbildern von der Lunge.
In Deutschland ist mindestens jeder Dritte ein Raucher, wobei zwei von drei Rauchern das Rauchen lieber aufgeben würden. Doch wirklich erfolgreich sind nur geringe 4,4 Prozent. Der werdende Nichtraucher benötigt die Hilfe seiner Umwelt. Seien Sie verständnisvoll mit werdenden Nichtrauchern - auch bei Rückfällen - immerhin muss er neben auftretenden Entzugserscheinigungen auch auf ein Mittel zur Beruhigung, Stressbewältigung und des Selbstschutzes verzichten. Daher: Unterstützen Sie einen werdenden Nichtraucher mit allen Ihren Mitteln. Auch ärztliche Unterstützung erhöhen die Erfolgsaussichten.
Doch noch besser ist es, mit dem Rauchen garnicht erst anzufangen. Gerade für Eltern ein Problem - mein Kind raucht, was soll ich tun? Ein Verbot hilft nichts - erstens können Sie Ihr Kind nicht rund um die Uhr kontrollieren und zweitens wird dadurch das Rauchen zu etwas "Geheimnisvollem, Verbotenem" - der zukünftige Raucher ist vorprogrammiert. Frühzeitige und umfassende Information dagegen kann - wie in fast allen Fällen - hilfreich sein, selbst wenn eines oder beide der Elternteile zu den Rauchern gehört. Achten Sie aber darauf, dass es nicht zu einem gezwungenem und langweiligem Eltern-Vortrag ausartet, lassen Sie Ihr Kind selbst erfahren, wie unangenehm es ist, neben einem Raucher zu sitzen und erklären Sie auch, warum und wie einige Menschen (vielleicht Sie selbst?) zu Rauchern werden. Kinder verstehen oft mehr, als wir Ihnen zutrauen! Eine ehrliche und ausgiebige Aufklärung hilft mit, dass Ihr Kind "nein" zu einer angebotenen Zigarette sagt. Also nochmal: "Rauchen gefährdet die Gesundheit!"
Autor: Stefan Wandrei

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